Nachruf auf Nick Kamen: Moral ist für Doofe, Schönheit für alle

Nachruf auf Nick Kamen: Moral ist für Doofe, Schönheit für alle

1985 betrat Nick Kamen einen Waschsalon der 50er-Jahre, zog sich bis auf die Boxershorts aus und wurde in einer Mischung aus Begehren und Empörung zur Provokation für eine enge, staubig verklemmte Mittelschichtswelt, die fett gefressen und mit betonierten Föhnwellen ihren öden Alltag durchlitt. Es war ein Spot für die Levi’s 501, eine Jeans, die in den 80er-Jahren Synonym wurde für einen universellen Code der Jugendkulturen, deren Eleganz sich eher für raue Authentizität interessierte als für die blumige Weltflucht der Hippies oder die neureiche Opulenz der Luxuslabels. Nick Kamen war Model, aber er war mehr als das: Er war ein lebendes Virus, welches das ebenso harte und kriegerische wie fragile und zarte Menschenbild des britischen Stylisten Ray Petri in Windeseile über die Welt verbreitete.
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